Zahlen & Fakten
Smartphones und digitale Medien sind ein komplexes Thema, die viele Ebenen des Lebens betreffen. Immer mehr Studien zeigen, dass die Geräte und die Apps die Kindheit grundlegend verändern. Die Beweislage nimmt stetig zu. Anbei ein Überblick, mit Quellen und Verweisen auf die Studien.
Lage in der Schweiz
Mit 6-7 Jahren besitzen 20% der Kinder ein eigenes Handy/Smartphone. Bei den 12- bis 13-Jährigen besassen 2024 bereits 96% ein eigenes Smartphone.
Rund 50 Tage, rund um die Uhr: So lange würden Jugendliche* ihr Smartphone innerhalb eines Jahres nutzen, wenn sie ihre Nutzungszeit am Stück absolvieren würden.
31% der 15- bis 16-Jährigen berichten wegen ihrer Internetnutzung zu wenig Zeit für Familie, Freunde oder Hausaufgaben zu haben. 23% geben an, erfolglos versucht zu haben, ihre Online-Zeit zu reduzieren.
55% der 14- bis 17-Jährigen geben an, dass es ihnen häufig oder sehr häufig schwerfällt, die Mediennutzung zu beenden.
Smartphones verbinden Kinder mit der Welt – und die Welt mit Kindern
45% der Mädchen und 20% der Jungen* berichten, in den letzten zwei Jahren mindestens einmal von einer fremden Person im Internet mit unerwünschten sexuellen Absichten kontaktiert worden zu sein (z.B. Aufforderung, erotische Fotos zu schicken).
45% der Primarschulkinder in der Schweiz sind online mindestens einmal auf Inhalte gestossen, die ihnen Angst gemacht haben.
In einem Experiment mit fiktiven Profilen 13-Jähriger zeigte TikTok den Mädchenprofilen in 92% der Sitzungen Inhalte zu extremer Gesundheit, Fitness oder Diäten und in 83% sexualisierte Inhalte. Den Jungenprofilen wurden in 85% der Sitzungen frauenfeindliche Inhalte angezeigt.
Interne Meta-Dokumente zeigen: Meta schätzte 2021, dass täglich etwa 100'000 Kinder auf Facebook und Instagram sexuell belästigende Inhalte oder Kontakte erhalten, beispielsweise Bilder mit Genitalien Erwachsener.
Je später, desto besser
12-Jährige mit eigenem Smartphone zeigten in einer grossen Vergleichsstudie höhere Anzeichen von Depression (+30%), Übergewicht (+40%) und unzureichendem Schlaf (+60%), als Gleichaltrige ohne eigenes Smartphone. Der Zusammenhang wird stärker, je früher ein Kind ein eigenes Smartphone besitzt. Vergleichsstudie mit rund 10'500 Kindern
Kinder und Jugendliche, die erst mit 14 soziale Medien nutzen, sind ihren Klassenkameraden, die dies bereits mit 11 oder 12 Jahren tun, im Alter von 16 um bis zu ein halbes Jahr in ihren Mathematik- und Lesefähigkeiten voraus. Vergleichsstudie mit rund 5’000 Jugendlichen.
11- bis 12-Jährige, die mehr als 3 Stunden täglich soziale Medien nutzen, zeigten zwei Jahre später häufiger depressive und Angstsymptome als Gleichaltrige mit höchstens 30 Minuten täglicher Nutzung. Längsschnittstudie mit 2'350 Jugendlichen
Gehirnentwicklung
Häufiges Checken sozialer Medien im frühen Jugendalter steht im Zusammenhang mit einer Veränderung der neuronale Empfindlichkeit gegenüber sozialer Belohnungen und Bestrafungen. Dreijährige fMRI-Längsschnittstudie mit 169 Jugendlichen
Intensive Social Media- Nutzung bei Jugendlichen wird mit Veränderungen in präfrontalen und anderen Gehirnregionen sowie mit einer beeinträchtigten Reifung von Aufmerksamkeits- und Exekutivnetzwerken in Verbindung gebracht.
Kinder mit zunehmender Social-Media-Nutzung zwischen 9 und 13 Jahren zeigten mit 13 Jahren geringere Lese-, Wortschatz- und Gedächtnisleistungen als Gleichaltrige mit keiner oder sehr geringer Social-Media-Nutzung. Längsschnittstudie mit 6'554 Kindern
Erkenntnisse von Sucht Schweiz
2022 wiesen rund 7% der 11- bis 15-Jährigen eine problematische Nutzung sozialer Netzwerke auf; Mädchen waren mit rund 10% häufiger betroffen als Jungen mit rund 4%.
Rund 31% der 14- bis 15-Jährigen geben an, mit ihrem Aussehen nicht zufrieden zu sein. Jugendliche mit häufigerer Social-Media-Nutzung sind tendenziell weniger zufrieden mit ihrem Aussehen.
31% der 11- bis 15-Jährigen berichten von wiederkehrenden Einschlafproblemen. Bei älteren Jugendlichen steht problematische Social Media-Nutzung zudem mit ungünstigerem Schlafverhalten in Zusammenhang.